Eklat in Leipzig: „Warum reimt sich Kollegah auf Showschläger?“

Der Rapper Kollegah schlägt aktuell auf Deutschland-Tour nicht nur hohe Wellen, sondern auch seine Fans. Zum Auftakt der „Imperator“-Tour im Haus Auensee in Leipzig drohte dem Bossrapper, dem es normal „trotz aufgesetzter Ray-Ban-Brille blendend geht“, der Verlust ebenjenes Accessoires – und prompt sah er rot, verteilte eine Kick-and-Punch-Combo an einen Fan. Das einzige Kuriosum an einem Abend voller Belanglosigkeiten.

Dass Kollegah kein Liverapper vor dem Herrn und sein neustes Album kein Meisterwerk war, wusste man natürlich bereits vorher. Wie er jedoch trotz geringer Erwartungshaltung dann doch noch für Enttäuschung sorgen konnte, zeigt sich beim Blick auf die weitere Tracklist: „Big Boss“ wirkte darin so verloren wie ein einsamer Stern am Himmel. Ansonsten suchte man nämlich vergeblich nach Klassikern des Gesamtwerks – statt „Bossaura“ hieß es „Du bist Boss“, statt coolen Sachen von einem der „Hoodtapes“ gab es den „Warsteinerbauch“ (dabei war der Altersdurchschnitt im Publikum gar nicht 14,5), statt „Showtime“ hieß es „Training Day“ mit Koree (!), statt Parts von einem JBG-Kollabotrack gab es ein Live-Feature mit dem talentlosen Seyed – und die Zugabe war nicht einmal der Sun-Diego-Diss von „Legacy“, sondern es machte schlussendlich ausgerechnet „Plopp“. Nach mageren 80 Minuten Kollegah-Auftritt war die Show vorbei.

Da verwundert es kaum, dass von diesem Abend ein Vorfall abseits der Musik am meisten in Erinnerung bleiben wird: Kollegah und sein Back-Up-Rapper Ali As arrangierten in der Mitte der Show ein Freestyle-Battle zwischen zwei Fans aus dem Publikum – zu dem es jedoch nie kommen sollte. Einer der Fans war nämlich so dreist, zur Vorbereitung auf das Battle die Mütze von Ali As zu klauen und wollte sich daraufhin auch noch ungefragt die Sonnenbrille von Kollegah unter den Nagel reißen. Damit stieß er jedoch nicht nur auf Granit, sondern auch auf Fuß und Faust des Bosses. Der Skandal war perfekt!

Den Informationen von hiphop.de zufolge bestätigte die Leipziger Polizei mittlerweile in einer Pressemeldung, dass Anzeige von einer unbekannten Person gegen Kollegah vorliege. Die Beamten ermitteln nun wegen (gefährlicher) Körperverletzung gegen den deutschen Rapper.

„Ich hab‘ zwei Ösis beinahe komareif geschlagen / An der Stelle noch mal Shoutouts an den Notwehr-Paragraphen“, tönte Kollegah 2015 noch großspurig in seinem Track „Genozid“, bezugnehmend auf einen früheren Freispruch nach einer Discoschlägerei. Dieses Mal dürfte die Sache weniger glimpflich für ihn ausgehen – die Beweislage ist eindeutiger.

Wie dieses Material überhaupt existieren kann, obwohl Besuchern im Haus Auensee doch Foto- und Videoaufnahmen untersagt wurden? Man weiß es nicht.

Doch was ist schon wirklich eindeutig? 90 % der aufgebrachten Internet-User analysierten das Videomaterial in dem Sinne, dass der freche Fan nach Kollegahs empörter Reaktion auf den versuchten Brillenklau beschwichtigend reagierte und ihm zur Entschuldigung den Handschlag anbot. Eine mögliche Interpretation gewiss, aber die einzige? Vielmehr erscheint es mindestens ebenso logisch, die Geste des Fans als Aufruf zur Auseinandersetzung im Sinne von „Komm doch ran, du Vogel“ zu interpretieren. Körperlicher Abstand zwischen den beiden Personen ist dabei kaum gegeben, der Fan hat die körperliche Distanzzone überschritten und dringt bereits in die intime Distanzzone des Stars ein. Dieser verschafft sich reflexartig Luft und schubst den Fan von sich weg. Bis hierhin wirkt alles nachvollziehbar. Das Gefahrenpotenzial des Zuschauers ist schwer einzuschätzen: Augenzeugen im Publikum hatten ihn bereits zuvor als auffällig beschrieben – er habe unter Alkoholeinfluss gestanden und gepöbelt.

Erst danach wird es kritisch: Kollegah, der nun rund zwei Meter Sicherheitsabstand zum Fan gewonnen hat, geht direkt auf Konfrontationskurs, tritt und schlägt ihn nieder. Notwehr erschiene als ein fragwürdiges Plädoyer in dieser Situation. Der Fan war unbewaffnet, auf Abstand gebracht worden und blieb daraufhin wie angewurzelt stehen, ohne selbst in irgendeiner Form in Angriffsstellung zu gehen. Kollegah wusste zudem um die mehrköpfige Security in seinem Rücken, die den Vorfall umgehend hätte schlichten können. Sein Aussetzer ist daher nicht schönzureden und steht berechtigt in der Kritik. Der Ex-Jurastudent hätte – insbesondere in seiner Vorbildwirkung als Mainstreamstar – besonnener reagieren und über den Dingen stehen müssen.

Nun aber hat er den Salat beziehungsweise den Shitstorm! Doch was wäre, wenn der Vorfall möglicherweise inszeniert gewesen sein sollte? Der Zufall, dass sich eine solche Situation unmittelbar zum Auftakt der Tour ergab, wirkt sonderbar und lässt eine Promoaktion zumindest denkbar erscheinen. Bei näherem Hinsehen fällt beispielsweise auf, dass der Schlag Kollegahs nicht viel besser ins Schwarze traf als die meisten seiner letzten Punchlines in Liedern. Ebenso merkwürdig: Trotz regelmäßiger Social-Media-Aktivitäten fehlt noch immer ein persönliches Statement zu dem Vorfall, obwohl es unter jedem einzelnen seiner aktuellen Facebook-Posts kaum noch andere Diskussionsthemen unter den Usern gibt. Die Auflösung als Promoaktion würde im ersten Moment jedenfalls zweifelsohne Erstaunen auslösen, da man in der Tat effektiv getrollt wurde, beim ersten Nachdenken darüber jedoch bereits fragwürdig wirken. Hätte Kollegah solch negative Publicity etwa wirklich nötig, nur um im Gespräch zu bleiben?

Als Fazit der Aktion kann unter dem Strich also wohl doch wieder nur das altbekannte stehen: Kollegah schafft sich ab.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s