Kurioses Online-Dating [Vol. 3]: „Was suchst du? Keine ONS, keine Fuckboys!“

Der geneigte Online-Dater weiß: Er sollte besser etwas suchen. Denn sonst steht er plötzlich mit heruntergelassener Hose im Chatroom, wenn die Frage aller Fragen seinen Weg kreuzt: „Was suchst du hier eigentlich?“.

Natürlich weiß ich als weiser Mann unlängst, was ich von einer Dame will: Sei mein Prachtswipe!“ – nicht mehr und nicht weniger. Diese halbironische Auskunft untergräbt freilich die Erwartungen der fragenden Frau. „Einen Sonntagnachmittagsfick mit den Jungs!“ oder „Eine feste Freundin, damit Mutti endlich Oma wird!“ wären die befriedigenderen Antworten gewesen.

Warum? Weil viele Online-Frauen Menschen das Schubladendenken einfach lieben! Indem sie die Suchabsichten ihres Gegenübers genauestens einzuordnen versuchen, erhoffen sich vor allem die Ängstlichen und Schwachen das Gefühl von (vermeintlicher) Kontrolle und Sicherheit. Ist mein potenzielles Date denn nun Beziehungsmensch oder Netflix-Chiller(in)?

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Führende Influencer wie Cristiano Ronaldo wissen unlängst: Die Antwort des anderen spielt nur selten eine Rolle. Wohin die Reise geht, liegt zu guten Teilen auch im eigenen Einflussbereich. Und ist das eigene Leben toll genug, sind Dates ohnehin nur die Kirsche darauf!

Für einige Online-Frauen scheint sich die Frage nach dem persönlichen Suchmuster wiederum recht einfach zu beantworten – insbesondere im Hinblick darauf, was und wen sie nicht suchen.

„Keine ONS“, so lautet der Klassiker vieler weiblicher Profiltexte. Das klingt eindeutig und ist in Wahrheit doch nur substanzloses Gelaber. Nachfolgend werden die einzig wahren Interpretationsmöglichkeiten hinter den magischen zwei Worten präsentiert:

  • Ich suche wirklich nur eine ernste Beziehung und gehe es gern klassisch an.
  • Ich will schon eher etwas Unverbindliches, aber beim ersten Treffen mit jemand völlig Fremdem könnte ich Sex noch gar nicht richtig genießen.
  • Ich habe keine Ahnung, was ich hier suche, aber ich bin keine so billige Bitch wie die ganzen anderen Weiber hier und werde mich niemals so leicht hergeben!
  • Ich würde eigentlich auch gern beim 1. Treffen mit dir schlafen, „wenn es einfach so passiert“, aber will trotzdem nicht in die falsche Schublade fallen, sondern bei guter Chemie auch noch die Option auf mehr haben.
  • Ich fühle mich minderwertig, weil ich nach dem Sex oft sofort abgewiesen werde, und lasse den Typen daher länger jagen, um die Kontrolle zu behalten.
  • Ich will hier wirklich nur lustig herumvögeln, aber wenn mich ein Bekannter auf der Plattform sieht, soll er das auf gar keinen Fall von mir denken.
  • Ich nehme mir immer ganz fest vor, keine ONS zu haben, um noch ein bisschen länger die Spannung auszukosten, aber oh Gott, dann riechst du so gut, und ach, der Alkohol, waaaaahhhhhh. *.*
  • Ich habe eigentlich gar nichts gegen ONS, aber mir gehen die ganzen Kerle hier auf die Nerven, die mich dann so primitiv mit „Ficken?“ oder Dick Pics anschreiben.
  • Nur mit Channing Tatum.

Mehr als ein Augenrollen und Ignorieren hat diese putzige Floskel also gar nicht erst verdient. Sie kann nämlich für ABSOLUT ALLES stehen! Und vor allem zeigt sie einmal mehr vorzüglich die Problematik des gesellschaftlichen Slutshamings auf.

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Führende Influencer wie Kim Kardashian empfehlen: Gebt einen Fick darauf, was andere über euch denken! Wenn ihr coole Socken seid, wollen die anderen coolen Socken euch sowieso wiedersehen.

Doch auch Männer können zum Opfer ähnlicher Shaming-Taktiken werden. „Keine Fuckboys“ lautet etwa eine populäre Floskel, die so einige weibliche Profiltexte im Online-Dating ziert. Wertet der Begriff Schlampe jedoch eher die sexuelle Freizügigkeit der Frau ab, bezieht sich Fuckboy vielmehr auf die Bindungsunwilligkeit des Mannes. Sich 2018 noch über „casual relationships“ zu echauffieren, ist natürlich ganz schön kleinkariert. Demgegenüber erscheint es zumindest legitim, all die unfairen Loser an die Wand zu stellen, welche ihre Mädels nur mit gezielten Lügen bei der Stange halten können. Dass es sich hierbei kaum um die Mehrheit der Männerwelt handelt, verrät allerdings bereits der gesunde Menschenverstand. Eine allgemeine Fuckboy-Paranoia samt inflationärer Verwendung des ohnehin bereits verwässerten Begriffes ist also nichts als toxischer Bullshit für ein gesundes Miteinander von Mann und Frau in der Dating-Welt.

Ziemlich gefährlich an der Fuckboy-Keule ist zudem, wie leicht sie sich als Ausrede verwenden lässt, um eine schmerzhafte Zurückweisung möglichst angenehm zu rationalisieren. Der Tinder-Traumtyp ließ sich nicht binden? Also war es doch nur wieder so ein beziehungsgestörter Fuckboy! Fall gelöst, mittels Abwertung des Gegenübers das eigene Ego geschützt, und nun auf zum nächsten Kerl. Bloß wie soll man sich mit einem solchen Tunnelblick jemals weiterentwickeln können?

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Führende Influencer wie Selena Gomez können euch beruhigen: Mit einem attraktiven Gesamtpaket verdreht man selbst „Fuckboys“ im Handumdrehen den Kopf. Und die paar Bindungsphobiker da draußen verpassen eben etwas!

Selten nur lässt es sich mit absoluter Wahrscheinlichkeit sagen, ob der Mann generell keine Beziehung oder schlichtweg nur keine Beziehung mit ihr führen wollte. Hierfür benötigt es am Ende trotzdem keinen Schuldigen am Pranger. Hinter Liebe steckt oftmals nur die zufällig passende Biochemie zweier Menschen, und nicht jedes dieser Experimente vermag nun einmal den ersten Lackmustest zu überstehen. Für die persönliche Entwicklung kann es dennoch nicht schaden, auch einmal einen Blick auf die plausibelsten Ausschlussgründe zu werfen, wenn es trotz Koitus einfach mit keinem angehimmelten Kerl jemals zum Händchenhalten reichte:

  • Die Frau ist nur leidlich attraktiv und spielt optisch deutlich unter der Liga des Typen.
  • Die Frau kann sich im Bett nicht richtig fallenlassen bzw. ist nicht experimentierfreudig genug.
  • Die Frau ist keine sonderlich interessante Gesprächspartnerin.
  • Die Frau fängt schon früh im Dating zu klammern und zu nerven an.
  • Die Frau vertritt Werte, mit denen sich der Mann nicht identifizieren kann.

Wenig verwunderlich, dass ein bindungswilliger Mann mit Alternativen dann lieber der besseren Konkurrenz den Vorzug gibt. In dem Sinne verkommt es natürlich schnell zur schlechten Eigen-PR, wenn ein Mädel erzählt, immer nur an „Fuckboys“ zu geraten. Die gute Nachricht für sie: An den eigenen „Baustellen“ lässt sich weitaus mehr verändern als an anderen Menschen! Für einen Reality Check dieser Art benötigt es nur zunächst eine Menge Selbstreflexion. Und damit tun sich viele Frauen Menschen eben schwer, weil die Wahrheit mitunter weh tut und Selbstoptimierung ein harter Prozess ist. Vergleichsweise viel einfacher wäre es doch, mit einer Runde gepflegtem Selbstbeschiss die Schuld im Außen zu suchen. Besonders wer in permanenter Angst davor lebt, immerzu nur verarscht/ausgenutzt/manipuliert zu werden, strahlt das natürlich auch aus. Begehrte Männer und Frauen riechen diese Haltung allerdings kilometerweit gegen den Wind – und gehen lieber auf Abstand.

2019 kann es also nur einen Weg für Mann und Frau im (Online-)Dating geben: Befreit euch vom Schubladendenken, spart euch das Gelaber und legt beim Evaluieren den Tunnelblick ab.

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Auf ins neue Jahr mit dem originalen Persönlichkeits-Produkt Triple E: ergebnisoffen, ehrlich & eigenverantwortlich“ – powered by Justin Bieber! Damit erwartet euch eine großartige Zeit mit spannenden zwischenmenschlichen Beziehungen. Swipe on! ❤

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